think space civility

Denkraum Zivilität

Können wir uns zivil weiterentwickeln?

Wie wir miteinander umgehen und kommunizieren sowie einander kommentieren und kritisieren ist in ständigem Wandel. Wird es auf lange Sicht besser? Vielleicht, aber eher zufällig, da alte Muster und Praktiken immer wiederkommen und durchscheinen. Ist das schlecht? Das ist wohl abstrakt nicht entscheidbar und eine Antwort wäre letztendlich auch irrelevant, da sie selbst immer wieder in Frage gestellt würde.

Wichtiger wäre die Frage, ob wir in der Lage sind, einmal gedanklich beseite zu treten und eine andere öffentliche Umgangs- und Diskussionsform zu versuchen.

Daraus entstand die Idee einer Zivilität, die auf zwei Ebenen basiert: Die Vermeidung der fünf Unzivilitäten der ersten Ebene und die Vereinheitlichung und Vergleichbarmachung der Freiheitenaspekte.

Die fünf Unzivilitäten - DABUK

DABUK ist die Merk-Abkürzung für: diskreditieren, ablenken, belehren, unterstellen und kategorisieren. Es wird sich zeigen, daß bei fast allen öffentlichen Redebeiträgen mindestes eine, oft sogar eine Kombination dieser fünf Unzivilitäten feststellbar ist.

Zur Verdeutlichung spreche ich von der Ziv-1-Ebene, wenn ich die üblichen Diskussionsanforderungen meine (nicht beleidigen, nicht über die Zeit reden, andere nicht unterbrechen). Das ist eine Minimalgrundlage für eine Verständigung, sozusagen notwendig, aber nicht hinreichend für einen erkenntnisorientierte Diskussion.

Von Ziv-2-Ebene spreche ich, wenn es in Diskussionen beiderseits erlaubt und erwünscht ist, den jeweils anderen auf die DABUK-Kriterien anzusprechen. Diese sollten grundlegend als unzivil und erkenntnishemmend akzeptiert werden und jeder sollte versuchen, sie zu vermeiden.

Konkrete Kommunikation auf DABUK zu prüfen, kann durchaus unterhaltsam sein.

Freiheitenaspekte

Die andere Seite der Medaille, neben der Vermeidung der DABUK-Unzivilitäten, ist die Bereitschaft, die Diskussionsgegenstände inhaltlich vergleichbar zu machen. Anzustreben ist eine Umformulierung in Freiheitenaspekte, was meist auch möglich ist.

Der eigentliche Erkenntnisprozeß setzt mit dem Vergleichen der Freiheitenaspekte ein. Dazu hat jeder die Freiheit, die seineserachtens zu berücksichtigenden Freiheitsaspekte zu benennen und sie auch zu gewichten. Das könnte in einem offenen Verfahren z.B. auf einer digitalen Seite erfolgten, auf der eine unbeschränkte Zahl von Freiheitenzugewinnen und Freiheitenverlusten verbalisiert und von jedem nach seiner Einschätzung gewichtet werden können. Die Gewichtung könnte durch einen Schieberegler von 0 - 100 erfolgen. Das berechnete Ergebnis wäre als Freiheitenabwägungsbild kein Abstimmungsergebnis, sondern ledigliche eine weitere Entscheidungsgrundlage für eine evtl. erforderliche förmliche Abstimmung. Eine reine Ziv-2-Ebenen-Diskussion wäre insofern nur ein dynamischer Erkenntnisprozeß.